Des deutschen Spiessers Wunderhorn
Autor: Gustav Meyrink
Verlag: Ullstein
Deutsch
5.00 CHF
ISBN: 978-3548604673

Auch Teil des Konvoluts «5 Bücher aus Novellen»


Gustav Meyrinks "Des deutschen Spiessers Wunderhorn" ist kein einzelner Roman, sondern eine **Sammlung von satirischen Erzählungen und Essays**, die zwischen 1911 und 1913 entstanden sind und 1919 bei Ullstein erschienen. Meyrink, bekannt für seine fantastischen und symbolistischen Werke, richtet hier seine scharfe Feder gegen den deutschen Kleinbürgertum, den "Spiesser".

Die Texte zeichnen ein karikiertes Bild des Spiessers: seine Engstirnigkeit, seine Konformität, seine beschränkte Weltsicht und seine geheime Sehnsucht nach etwas anderem, das er aber gleichzeitig fürchtet und ablehnt. Meyrink nutzt dabei eine **bissige, ironische und oft groteske Sprache**, um die scheinbare Unschuld und bürgerliche Tugendhaftigkeit seiner Figuren zu entlarven und deren innere Widersprüche aufzuzeigen. Die Geschichten bewegen sich zwischen scharfer Gesellschaftskritik und märchenhaften Elementen, die typisch für Meyrinks Stil sind. Man findet eine Mischung aus realistischer Darstellung und fantastischen Einfällen, oft mit einer leicht mystischen oder okkulten Note unterlegt.

"Des deutschen Spiessers Wunderhorn" ist weniger ein zusammenhängender Roman als vielmehr eine **Reihe von Vignetten**, die jeweils einen Aspekt des Spiessertums beleuchten. Die einzelnen Geschichten sind zwar in sich abgeschlossen, lassen sich aber auch als Teile eines grösseren Mosaiks verstehen, das ein umfassendes Bild des Spiesser-Daseins zeichnet. Es ist eine kritische, aber auch amüsante Auseinandersetzung mit den moralischen und gesellschaftlichen Normen des Wilhelminischen Deutschlands. Der Titel spielt ironisch auf das "Des Knaben Wunderhorn" an, eine Sammlung deutscher Volkslieder - Meyrinks Sammlung präsentiert stattdessen das "Wunderhorn" des Spiessers, gefüllt mit seinen Eigenheiten und Vorurteilen.